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„Der 28. März ‘09 wurde für mich zum Signal für den Aufbruch!“


Interview mit Anita Bauer

Anita Bauer, 34 Jahre, arbeitete bis 2008 als Zeitarbeiterin der Firma Adecco bei Ford. Sie verlor im November 2008 ihre Anstellung als eines der ersten „Krisenopfer“. Im Mai 2009 wurde sie zur gefragten Rednerin bei Protestkundgebungen, auch am 1. Mai wird sie auf einer Bühne in Berlin sprechen. Mit ihr sprach Jutta Sundermann.

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DZ: Frau Bauer, Sie bezeichnen den 28. März letzten Jahres als einen persönlichen Wendepunkt. Warum?


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AB: Ich war Ende 2008 ziemlich fassungslos über meine Entlassung. Ich hatte, wie viele andere auch, fest mit einer Übernahme bei Ford gerechnet und immer ohne Murren Überstunden gemacht. Und plötzlich war nicht nur Schluss mit der Arbeit in der Fertigung, sondern auch bei der Leiharbeitsfirma. Ich habe mich daraufhin wochenlang eingeigelt und nur ab und zu noch alte Kollegen getroffen. Im Februar hat mich einer mitgenommen zu einer Veranstaltung über die Wirtschaftskrise. Da wurde von den Demos am 28. März geredet. Ein tolles Motto hatten die: „Wir zahlen nicht für Eure Krise!“. Außerdem sollten die Profiteure für die Folgen der Krise einstehen. Ich war skeptisch. ‚Die da oben machen doch sowieso, was sie wollen‘, dachte ich. ‚Die kriegen ihre Schäfchen immer ins Trockene. Wir aber sitzen plötzlich da als Hartz-IV-ler und dann hören wir noch, wir seien die Schmarotzer.‘ Aber am nächsten Tag erzählte auch meine Nachbarin von den Demos. Und wir haben beschlossen, zusammen hin zu fahren. Und dann wurde der 28. März für mich zum Signal für den Aufbruch!

DZ: Wie kam das? Es hatte doch schon größere Demonstrationen in Deutschland gegeben.

AB: Das war für mich wie ein gordischer Knoten. Ich habe mich getraut, den durchzuhauen und habe gemerkt, dass ich nicht allein damit war: Ich habe nicht mehr gedacht, ich könnte nichts tun. Tausende andere sind auch gekommen. Alle hatten eine große Wut im Bauch, auf die Banker, auf die Politiker und auf deren Berater. Die Leute waren nicht mehr bereit, den Berliner Zirkus, das, was die da Krisenmanagement nannten, als einzige Möglichkeit zu akzeptieren. Ich habe viel mitbekommen in Frankfurt. Dass auf der ganzen Welt an diesem Tag Aktionen statt fanden. Dass es in einigen Betrieben große Diskussionen gab, ob die Belegschaft nicht lieber selbst das Ruder übernehmen sollte. Dass viele Menschen anderen geholfen haben, die Tickets zur Demo zu bezahlen. Dass es viele Vorschläge gibt, wie Reichtum umverteilt werden müsste. Und dass wir schon wegen der Klimakrise weltweit gemeinsam Alternativen suchen müssen. Ich glaube, an dem Tag haben viele das Gefühl verloren, wie Kaninchen vor dieser Krisen-Schlange zu sitzen.


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DZ: Und Sie wurden selbst zu einem der Gesichter der Bewegung?

AB: Ja, kurz danach fing das an – über die Gewerkschaft wurde ich, weil ich betroffen bin, als Rednerin zu einer Kundgebung am 1. Mai eingeladen. Natürlich war ich beim ersten Mal sehr aufgeregt, als ich vor vielen Menschen sprechen sollte. Aber ich habe gemerkt, dass ganz viele wie ich denken. Die Menschen in den Betrieben trauen sich immer mehr. Die Arbeitslosen aber auch. Immer mehr Ausländerinnen und Ausländer sind bei den Veranstaltungen dabei und machen sie stärker und bunter. Und als uns die Schülerinnen und Schüler im Juni vorgemacht haben, was richtig große Demonstrationen sind, war ich völlig begeistert.

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